Press release


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Economic governance

EU needs to finally shift the focus and look at bigger economic and social picture


The European Commission today presented its assessment of EU member states' budgetary plans in the context of the Stability and Growth Pact, as well as presenting a communication on how to revise the EU's system of economic governance.

Commenting on the Commission's assessment of EU member states' budgetary plans, Green economic affairs spokesperson Ernest Urtasun said:

"The decision of the Commission to give more time to France, Italy and Germany is a clear signal that the rules of the Stability and Growth Pact do not work and are playing a pro-cyclical role in the current downturn of European economic outlook. Judging Euro member states on these narrow and discredited terms no longer makes sense.

"The Commission must finally shift the focus of the Pact to look at the bigger picture, instead of just focusing on deficit reduction. Putting debt levels (both private and public) on a sustainable track by massive budgetary cuts in basic welfare systems across Europe has dramatic social consequences and is damaging the European recovery. The current policy response is also increasing debt levels. The ongoing impact of the crisis and the one-sided austerity-driven response has underlined the need to take a broader view. The focus should also be on investments and boosting the economy. We need a counter-cyclical approach otherwise the discretionary flexibilities become the rule instead of the exception as these end up being systematically and inefficiently used after the social and economic damage has already been done."

 Commenting on the proposals to revise the EU's system of economic governance, Greens/EFA co-president Philippe Lamberts said:

"We are very disappointed that the Commission considers the current economic governance framework has been successful and that no need for a revision is currently required. We believe that a revision of the legal framework is not only needed for the budgetary rules but also to provide a basis for investment, with a view to achieving more binding EU2020 targets.  

"It is massively short-sighted of the Commission to claim there is no need to review the macroeconomic imbalances procedure. The current procedure puts most of the burden on deficit countries instead of providing a more symmetrical approach, which is necessary for any sustainable monetary union. The lack of willingness to enlarge the scope towards social and resource efficiency indicators highlights that the new Commission has not drawn the required conclusions on the urgent need to substantially review the policy-mix implemented so far."   

Stabilitäts- und Wachstumspakt

EU-Kommission zündet wirtschaftspolitische Nebelkerzen


Die EU-Kommission hat die Überprüfung der Haushaltsentwürfe der Euroländer im Rahmen des Europäischen Semesters heute abgeschlossen. Frankreich, Italien, Österreich, Slowenien und Malta standen dabei unter besonderer Beobachtung. Die EU-Kommission hat sich aber entschieden, keinerlei Konsequenzen aus den vorgelegten Plänen zu ziehen. Sanktionen gegen Mitgliedsländer, die die gemeinsamen Regeln verletzen, wurden nicht verhängt. Alle Entscheidungen wurden auf das kommende Frühjahr verschoben.

Den Umgang der Kommission mit den Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts kommentiert Sven Giegold, finanz- und wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament:
 
"Nach unseren Berechnungen halten 14 Euroländer die Regeln und Absprachen im Rahmen des Stabilitäts- und Wachstumspakt nicht ein (1). Das sind doppelt so viele wie von der EU-Kommission behauptet. Die EU-Kommission versucht offenbar, das Versagen der europäischen Wirtschaftspolitik seit der Finanzkrise zu vernebeln. Zwar handelt die EU-Kommission makroökonomisch vernünftig, denn noch härteres Sparen in zahlreichen Ländern würde die Eurozone endgültig in die Abwärtsspirale einer Deflation führen. Aber mit diesen Manövern und dem Verschieben konsequenter Entscheidungen bis ins kommende Frühjahr lenkt die EU-Kommission vom eigentlichen Problem ab: Das starre Korsett des reformierten Stabilitäts- und Wachstumspakts versagt im Praxistest. Er zwingt zum prozyklischen Sparen. Der Fiskalpakt verschärft die Vorgaben zusätzlich. Die Fehlkonstruktion des Stabilitäts- und Wachstumspakts will die EU-Kommission aber nicht eingestehen.

Anstatt mit Nebelkerzen zu hantieren, sollte die EU-Kommission ihren Einfluss und ihre politische Energie darauf verwenden, den Stabilitäts- und Wachstumspakt einer Generalüberholung zu unterziehen. Sparanstrengungen und Reformbemühungen der EU-Mitgliedsstaaten sind notwendig. Aber es sind nicht die einzigen Kriterien einer nachhaltigen Haushaltspolitik: Genauso wichtig ist es, prozyklisches Sparen zu vermeiden, Steuerbetrug und Steuerdumping zu bekämpfen und so staatliche Einnahmeseite zu stärken. Die EU-2020-Ziele zu Beschäftigung, Klimaschutz, Bildung und Armutsbekämpfung müssen berücksichtigt werden.

Da die letzte Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts dies weitestgehend ignoriert hat, hat die Grüne/EFA-Fraktion nach Abschluss der Verhandlungen zwischen Europaparlament und dem Rat der EU gegen dieses Regelwerk gestimmt. Das Drückeberger-Verhalten der EU-Kommission belegt nun, dass diese Entscheidung richtig war. Wir erwarten jetzt ernsthafte Vorschläge der EU-Kommission zur Überarbeitung des Stabilitäts- und Wachstumspakts.”

(1) Eine Übersichtstabelle über die Defizitsünder finden Sie hier:
http://www.sven-giegold.de/2014/eu-kom-beschoenigt-haushaltslage-staaten/