Press release


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Nuclear stress tests

Energy commissioner Oettinger must ensure stress tests are not a meaningless fig leaf


Tomorrow, a meeting of nuclear safety regulators from all EU member states (ENSReg) will decide on the criteria for the planned EU nuclear stress tests. The Greens last week expressed concern (1) about draft criteria proposed by regulators from member states with nuclear energy (WENRA) and are urging EU energy commissioner Oettinger to ensure that any EU nuclear stress tests apply the strictest criteria (2). Ahead of the ENSReg meeting, Greens/EFA co-president Rebecca Harms said:

"It is crucial that any EU-defined nuclear stress tests exhaustively and rigorously assess all safety issues that confront nuclear reactors; anything short of this would mean the stress tests are little more than a fig leaf for the industry to mask the very real safety concerns with nuclear power. EU energy commissioner Oettinger has publicly stated his desire to ensure this is the case, criticising the weak draft stress test criteria proposed by WENRA last week. Tomorrow's meeting of EU nuclear safety regulators will provide the real test of commissioner Oettinger's commitment and his ability to stick up to those nuclear member states, like France and the UK, that want weak criteria.

"If they are to be meaningful, EU stress tests must be exhaustive and assess all risks. This means assessing the risk of terrorist attacks, as well as the impact of plane crashes, and human error. They must not be reduced to a list of the technical specifications of nuclear reactors aimed at withstanding earthquakes or floods."

Green energy spokesperson Claude Turmes added:

"The stress tests must not turn a blind eye to the serious deficiencies in the ageing EU fleet of nuclear reactors, which pose safety risks independently of external factors. This means also assessing the increased risks from the ageing components and outdated designs of decades-old reactors. Storage facilities for spent nuclear fuel must also be included in the stress tests, as Fukushima has shown that these can pose the greatest risk.

"Any stress tests that fall short of this complete assessment will be little more than an exercise in deception and commissioner Oettinger should not associate himself or the EU Commission with such an exercise."

(1) See the Green press release on the draft WENRA criteria here

(2) See a complete Green assessment of the draft stress tests: here

Nukleare Stresstests

Oettinger darf keine Angst vor der eigenen Courage haben


Morgen wird sich die Hochrangige Gruppe der europäischen Regulatoren für nukleare Sicherheit mit Vertretern aller Mitgliedsstaaten (ENSREG) treffen, um über die Kriterien für die Sicherheitsüberprüfungen der Atomkraftwerke der EU zu entscheiden. Die Aufsichtsbehörden der europäischen Atomstaaten haben ihre Vorstellungen zu den Stresstests bereits vorgelegt, die von der Grünen/EFA-Fraktion scharf kritisiert wurden (1). Rebecca Harms, Vorsitzende der Grüne/EFA Fraktion im Europaparlament, erklärt zur bevorstehenden Entscheidung:

"Kommissar Oettinger hat sich in seinen Forderungen zu den Sicherheitsüberprüfungen der europäischen Atomkraftwerke zu Recht sehr ehrgeizig gezeigt. Umfassend und transparent sollten alle relevanten Risiken geprüft werden. Das Ergebnis des morgigen Treffens wird sich an der Vorgabe von Oettinger messen lassen müssen. Was bislang auf dem Tisch liegt ist weit davon entfernt (2). Auch der Kommissar hat erkannt, dass die WENRA-Vorschläge (3)  unter dem Druck von Großbritannien und Frankreich weit hinter dem zurückbleiben, was er selber gefordert hat.

Energiekommissar Oettinger darf jetzt nicht Angst vor der eigenen Courage bekommen. Er muss sich gegen die Mitgliedsstaaten durchsetzen, die sich in ihre Atomprogramme nicht reinreden lassen wollen. Er muss darauf bestehen, dass die Stresstests nicht auf die Beschreibung der technischen Auslegung der Anlagen gegen Erdbeben und Überflutung reduziert werden. Alle Risiken, auch das Risiko menschlichen Versagens, eines Flugzeugabsturzes oder eines terroristischen Angriffs müssen in die Überprüfung einbezogen werden.

Es dürfen auch nicht die Augen verschlossen werden vor Mängeln, die in der zum Teil sehr alten Reaktorflotte der EU ganz unabhängig von äußeren Einwirkungen bestehen. Materialermüdung, Sicherheitsrisiken im Reaktordesign und Störanfälligkeit in den vergangenen Jahren müssen in die Bewertung der Sicherheit der Reaktoren einbezogen werden. Unbedingt muss auch die Lagerung abgebrannter Brennelemente auf den Prüfstand. Fukushima zeigt, dass gerade von Kompaktlagern am Reaktor größte Gefahren ausgehen können. Stresstests, die all dies nicht beachten, sind nichts anderes als eine Alibiveranstaltung, um den Atombetreibern den weiteren Betrieb ihrer Anlagen zu ermöglichen. Damit darf Kommissar Oettinger sich nicht abspeisen lassen."

  Anmerkungen:

 1) Siehe Pressemitteilung vom 4. Mai 2011 hier!

 2) Die Stellungnahme der Grünen zu den Vorschlägen der WENRA finden Sie hier!

 3) WENRA ist ein Netzwerk der Atomaufsichtsbehörden der EU-Länder, die Atomkraftwerke betreiben, der Schweiz und anderen interessierten europäischen Staaten, denen Beobachterstatus eingeräumt wurde.

 ENSREG (European Nuclear Safety Regulators Group) ist eine unabhängiges Expertengremium, das im Jahre 2007 auf Beschluss der Europäischen Kommission eingerichtet wurde. Mitglieder sind hochrangige Vertreter der nationalen Atomaufsichtsbehörden aus allen 27 EU-Mitgliedsstaaten und Vertreter der Europäischen Kommission.