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"Atombunker in der Tiefgarage"

Wo warst Du vor 20 Jahren ? - Eva Lichtenberger erinnert sich

Einige Tage vor der Chernobyl-Katastrophe hatte ich meine Freundin mit ihrem kleinen Sohn zu uns in den Garten eingeladen, unser Kirschbaum trug nämlich in diesem Jahr besonders viele Früchte und für ein Stadtkind ist Kirschenpflücken ein besonderes Erlebnis. Dann aber kam die Nachricht von der Katastrophe und es gab ständige Warnungen im Rundfunk, keine Früchte und kein Gemüse aus dem Garten mehr zu verwenden, weil aufgrund einer besonderen Wetterlage und Windströmung der Alpenraum ganz besonders stark belastet worden war. Besonders Kinder sollten nicht mehr draußen spielen. Wir saßen also bei schönem Wetter in der Wohnung, schauten auf den Garten hinaus, wo die Kirschen langsam abfielen und hörten dabei die Nachrichten aus dem Katastrophengebiet. In dieser banalen Szene wurde uns, viele hundert Kilometer vom Brennpunkt entfernt, klar, wie unbegrenzbar die Atomgefahren sind. Entsetzen und Verunsicherung, Hilflosigkeit, das waren die dominierenden Gefühle für meine GesprächspartnerInnen in diesen Tagen.

Einige Zeit drauf dann die stadtpolitischen Spätfolgen der Katastrophe in Hall in Tirol: Im Gemeinderat wurde intensiv diskutiert, ob die neue Tiefgarage im Zentrum zu einem Atombunker ausgebaut werden sollte, inklusive Bevorratung für Monate, Notbetten, Spezialentlüftung, etc. Auf einmal waren Begriffe wie Bequerel, Fall-out, Abbauzeitraum und Cäsium Thema in einem Gremium, das sonst eher über Umfahrungen und Krankenhausfinanzierung zu beraten hatte. Es sollte ein Bunker für 1000 Leute werden - in einer Stadt mit 10 000 Einwohnern .... . Als dann die Diskussion über die notwendigen Zeiträume des Verweilens im Bunker begann und ich die Frage aufwarf, wer denn entscheiden sollte, wer in den Bunker dürfe, wurde es sehr still im Saal.

Eva Lichtenberger war damals in der Heimatgemeinde in einer Umweltgruppe und als Beratendes Mitglied des Umweltausschusses der Stadt Hall tätig.

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