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Fünf Gründe gegen Baysanto

Warum die EU-Kommission die Fusion der Pestizidkonzerne Bayer und Monsanto stoppen soll


Im September 2016 kündigte der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer an, den US-Konzern Monsanto kaufen zu wollen. Monsanto macht sein Geld u.a. mit glyphosat-haltigen Pestiziden und dem genmanipulierten Mais MON810 - der einzigen Gentechnik-Pflanze, die aktuell in der EU angebaut werden darf. Wenn die EU-Kommission es zulässt, würde durch die Übernahme „das größte Pestizid- und Saatgutunternehmen weltweit“ entstehen. Das hätte gravierende Folgen für Umwelt, Gesundheit und Bauernhöfe. Ein und dieselbe Firma würde Pestizide verkaufen, die die Menschen krank machen, und Medikamente, um sie wieder gesund zu machen. Doch noch besteht Hoffnung: Fordern Sie die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager auf, diese Höllenhochzeit zu stoppen, indem Sie diese Petition unterzeichnen!

 

Grund Nr. 1: Der Baysanto-Deal schadet den Bauernhöfen

Die Märkte für Saatgut und Pestizide sind schon jetzt hochgradig konzentriert. Erst vor kurzem fusionierten die Agrar-Riesen Dow und DuPont sowie Syngenta und ChemChina. Im Jahr 2014 kontrollierten nur vier Unternehmen, darunter Bayer und Monsanto, bereits knapp 95% des Markts für Gemüse-Saatgut in der EU. Darüber hinaus vermarkten Monsanto und Bayer zwei der in der EU gängigsten Herbizide: Monsanto verkauft Glyphosat und Bayer Glufosinat. Im Falle eines Zusammenschluss würden 24% des weltweiten Pestizidmarkts und 29% des weltweiten Saatgutmarkts in ihrer Hand liegen.

Bäuerinnen und Bauern in Europa und in den USA zeigen sich besorgt. Denn der neue Mega-Konzern könnte seine Marktmacht missbrauchen, um die Preise anzuheben. Schon jetzt sind viele Bauernhöfe in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Zwischen 2000 und 2010 haben sich ihre Betriebsmittelkosten um fast 40% erhöht, während die Preise für landwirtschaftliche Produkte um weniger als 25% stiegen.

Natürlich wird auch irgendjemand vom Baysanto-Deal profitieren - aber sicher nicht die Landwirte.

 

Grund Nr. 2: Der Baysanto-Deal schadet der Artenvielfalt

Laut der Welternährungsorganisation FAO sind seit dem Jahr 1900 bereits 75% der Kulturpflanzensorten ausgestorben. Statt den bäuerlichen Sorten werden moderne Hochertragssorten angebaut. Die Konzentration am Saatgutmarkt befeuert diesen Trend. Folgeerscheinungen sind Umweltprobleme - wegen mangelnder biologischer Vielfalt auf den Feldern, aber auch Gesundheitsprobleme - wegen mangelnder Vielfalt auf unseren Tellern.

Anstatt die Artenvielfalt aufrecht zu erhalten, setzen die Konzerne darauf, möglichst viel Saatgut patentieren zu lassen. Dies führt mittelfristig dazu, dass das verfügbare Angebot an Saatgut immer weiter schrumpft. Patente behindern die weitere Züchtung und benachteiligen speziell kleinere Züchtungsunternehmen. Sie müssen mit Klagen rechnen, wenn sie unwissentlich Produkte auf den Markt bringen, die bestehende Patente verletzen.

Es ist alles andere als schlau, die Kontrolle über das Saatgut an eine Handvoll riesiger multinationaler Konzerne abzutreten.

 

 

Grund Nr. 3: Der Baysanto-Deal schadet dem Planeten

Monsanto mag die bevorzugte Zielscheibe von Umweltaktivist*innen weltweit sein, doch Bayer verfolgt dieselbe Marketing-Logik: Bayer verkauft Saatgut von Pflanzen, die „hochertragreich“ sind – allerdings nur, wenn gleichzeitig die Pestizide gesprüht werden, die ebenfalls von Bayer produziert werden. Gegenüber dem Nachrichtendienst Politico brachte es Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender von Bayer, auf den Punkt: „Seit langem hegen wir Respekt für die Geschäftstätigkeit von Monsanto und haben dieselbe Vision.“

Pestizidresistente Pflanzen können durch Gentechnik, aber auch durch mehr oder weniger klassische Züchtungsverfahren hergestellt werden. Die Überlegung dahinter bleibt jedoch dieselbe: Die Bäuerinnen und Bauern müssen jedes Jahr neues Saatgut und die dazugehörigen Chemikalien kaufen. Die Folge: Der Einsatz von Pestiziden ist in die Höhe geschnellt, bei Glyphosat ist das eindeutig bewiesen. Auch die negativen Auswirkungen auf unsere Ökosysteme sind hinlänglich bekannt – etwa die Herausbildung pestizidresistenter Unkräuter, die Verschmutzung von Wasser und Böden sowie das Artensterben bei Insekten und Vögeln.

Es ist zu erwarten, dass sich dieser Trend mit dem Zusammenschluss von Bayer und Monsanto fortsetzt. Ein mächtiger, systemrelevanter und Lobbying betreibender Konzernriese würde entstehen, was die notwendige Agrarwende erheblich verlangsamen könnte. Ist Monsanto erst mal ein deutsches Unternehmen, wird die Bundesregierung den Konzern genauso kompromisslos verteidigen wie die Autoindustrie nach dem Dieselskandal.

 

Grund Nr. 4: Der Baysanto-Deal schadet Ihrer Gesundheit

Mehrere von Monsanto und Bayer hergestellte Produkte sind extrem gesundheitsschädlich.  Sie greifen z.B. in das menschliche Hormonsystem ein oder haben eine krebserregende Wirkung. Die Liste ist lang. Wird ein Produkt aufgrund von Gesundheitsbedenken verboten, so wird es schnell durch ein neues Produkt ersetzt, das angeblich sicher ist – bis man herausfindet, dass dies doch nicht der Fall ist.

Einen besonders hohen Preis bezahlen die Bäuerinnen und Bauern, ihre Familien und Mitarbeiter*innen. Sie nehmen nicht nur - wie wir alle - laufend Pestizidrückstände über das Essen auf, sondern leiden auch unter akuten und chronischen Reaktionen auf den Pestizideinsatz (siehe z.B. Triskalia-Prozess oder die Rechtssache Paul François gegen Monsanto).

Vollkommen absurd ist auch, dass durch die Baysanto-Fusion ein und dieselbe Firma Pestizide verkaufen würde, die die Menschen krank machen, und Medikamente, um sie wieder gesund zu machen.

5. Monsanto könnte dadurch seiner Verantwortung entgehen

Monsanto ist eines der meistgehassten Unternehmen weltweit. Gegen welches andere Unternehmen gehen jedes Jahr Menschen auf der ganzen Welt auf die Barrikaden? Gegen welches Unternehmen geht gar ein internationales Tribunal vor? Dies hat zahlreiche Gründe:

  • Der Konzern verkauft bzw. verkaufte einige der gefährlichsten Pestizide (viele von ihnen sind heute verboten).
  • Der Konzern hat zu einem massiven Rückgang der biologischen Vielfalt beigetragen.
  • Monsanto treibt ein globalisiertes System der Lebensmittelerzeugung voran, das Hunger schafft anstatt die Menschen zu ernähren.
  • Das Unternehmen behindert die Freiheit der Forschung, wenn die Ergebnisse nicht den Interessen des Unternehmens dienen.

Diese Anschuldigungen wurden vom Monsanto-Tribunal, einer zivilgesellschaftlichen Initiative, bestätigt. Gleichzeitig laufen in zahlreichen Ländern Gerichtsprozesse gegen Monsanto, die noch nicht entschieden sind.

In den USA haben Pestizidopfer Monsanto verklagt. Sie leiden unter einer Krebsart, die wahrscheinlich durch das Pestizid Roundup hervorgerufen wurde. Im Zuge dieses Verfahrens kamen Unterlagen ans Tageslicht, in denen fragwürdige Handlungen gegen Wissenschaftler*innen und nichtstaatliche Organisationen und irritierende Einflussnahme auf Beamte dokumentiert sind.

Nun ist zu befürchten, dass diese anhängigen Gerichtsprozesse nach der Fusion ad acta gelegt werden könnten und die Kläger*innen das Nachsehen haben.

 

Helfen Sie uns dabei, uns für die Agrarwende stark zu machen!

Die Grünen/EFA wollen eine umweltfreundliche Landwirtschaft, die möglichst unabhängig von externen Inputs wie Pestiziden und chemischen Düngemitteln ist. Wir wollen starke bäuerliche Betriebe, die gesunde Lebensmittel für ihre Region anbauen. Um das zu erreichen, muss die EU-Landwirtschaftspolitik reformiert werden. Und: Agrar-Multis wir Bayer und Monsanto dürfen nicht noch mehr Macht bekommen.

Helfen sie uns, diesen Deal  zu verhindern! Fordern Sie die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager auf, diese Höllenhochzeit zu stoppen, indem Sie diese Petition unterzeichnen!

Five reasons not to allow the Bayer - Monsanto merger

Why the Commission should stop this "merger from hell"


In September 2016, German drugs and chemicals group Bayer, and US company Monsanto, owner of the glyphosate-based herbicide Roundup and of the only GM plant currently authorised for cultivation in the EU (Mon 810 Maize), announced their intention to merge. If authorised by the European Commission, this would create, in the Commission’s own words, “the world's largest integrated pesticides and seeds company”, and have, as explained below, devastating consequences. Join us in calling on Margrete Vestager, Commissioner for Competition, to stop this “merger from hell” by signing this petition!

 

1. It’s bad for farmers

This transaction would take place in industries that are already extremely concentrated, as illustrated by the recent mergers of Dow and Dupont and Syngenta and ChemChina. In 2014, only four companies were already controlling close to 95% of the vegetable seed market in the EU, two of these companies being Bayer and Monsanto. Moreover, Monsanto and Bayer are marketing the two most popular herbicides in the EU: glyphosate and glufosinate ammonium, respectively. Together, they would hold 24% of the world pesticide market and 29% of the world seed market.

EU farmers’ organisations, as well as their counterparts from the USA and Canada have already expressed strong concerns about this operation. Indeed, this merger would only add to an already impossible economic situation in the farming sector. Total input costs for EU farmers climbed on average by almost 40% between 2000 and 2010, while farm gate prices (prices paid to farmers for their goods) increased on average by less than 25%, according to Eurostat.

Giving more power to agribusiness will only impoverish EU farmers further. Someone stands to make a huge amount of money from this and it’s certainly not the farmers, who are already squeezed between non-remunerative prices for their produce and rising input costs, in an input-dependent system.

 

2. It’s bad for food diversity

The steady concentration of power into the hands of a small number of companies over the last century has already dramatically reduced the diversity of seeds proposed to and used by farmers, which means less diversity in our fields (leading to environmental problems) and in our food (leading to health problems). Commercial breeders only work on 137 different crops (among the 7000 domesticated plant species) and maize receives 45% of all private R&D spending.

Merging companies also means the increasing concentration of patents in the hands of just a few major players. The world's major agro-chemical companies have a clear strategy - widely  denounced by NGOs - of trying to patent as many of their seeds as possible, even when they are issued from classical breeding techniques. In fact, some even try to patent seeds that were previously bred (but not patented) by their competitors, selected by farmers themselves or, worst of all, which are naturally present in the environment. By doing so, not only are they effectively trying to put a patent on nature itself, they are also closing down legitimate possibilities for research and reducing the options of farmers and small seed producers - unless they are willing to pay a "reasonable fee" to the owners of the patents.

Handing over the rights to our food to a handful of giant multinational companies is clearly not a smart move - and even less so when those companies buy each other to increase their stranglehold on the market.